Laura Freigang im Interview :
„Das ist durch und durch echt“

Lesezeit: 10 Min.
„Alles, was ich in der Öffentlichkeit teile, ist sehr bewusst“: Laura Freigang
Die deutsche Nationalspielerin Laura Freigang spricht im Interview über den Spagat zwischen Kreativität, Ehrgeiz und Freiheit – und warum sie den größten Kampf im Fußball gegen sich selbst führt.
Frau Freigang, von Ihnen ist bekannt, dass Sie Tagebuch führen. In der Rückschau auf 2024 – was steht in Ihren Erinnerungen weit vorne?

Ich schreibe nicht durchgängig. Es gibt immer Situationen, in denen ich viel schreibe, dann kommen welche, in denen ich es gar nicht mache. Das entspricht meinem Naturell. Ich habe auch noch nicht alles, was war, in Gänze reflektiert und noch keinen persönlichen Rückblick erstellt. Die eine Sache, die ich aber gewiss sagen kann: Es war sehr viel los in meinem Leben. Es gab viel mehr Höhen als Tiefen. Ich nutze gerne Neujahr für ein Fazit, weil ich mir nicht so gerne Vorsätze nehme. Beim Nachdenken, was hinter mir liegt, schaue ich meine ganzen Bilder an, die entstanden sind. Das ist dann eine Art Jahresrückblick für mich selbst, und dabei freue ich mich automatisch aufs nächste Jahr, weil ich weiß, dass wieder viel passieren wird.

Sie schreiben nicht nur Erlebnisse aus dem Sport auf, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich trenne den Sport sowieso nicht von meinem Leben. Das funktioniert nicht, weil ich als Mensch den Sport in meinem Tag verankert habe. Ich identifiziere mich nicht als Sportlerin in dem Sinne, aber ich bin ein Mensch, der viel in den Sport investiert. Und bei mir war es schon immer so, dass ich festgestellt habe: Wenn es mir gut geht, kann ich gut performen. Und wenn es mir nicht so gut geht, performe ich nicht so gut. Andersherum gesagt: Wenn es im Fußball nicht so gut läuft, kann ich das nicht von meinem Alltag komplett trennen.

Beim Blick auf die Fakten war 2024 Ihr erfolgreichstes Jahr als Profi-Fußballspielerin. Deckt sich das mit Ihrem Empfinden?

Mir geht es ganz gut, ja. Ich bin zufrieden und glücklich, wie es läuft. Die vergangenen Wochen und Monate waren schön. Ich genieße das sehr, weil ich weiß, dass sich das auch wieder ändern wird. Im Sport und im Leben ist es immer so: Es bleibt selten konstant – und das ist auch gut.

Sehen Sie sich auf dem Fußballplatz als Künstlerin oder Kämpferin? Für beide Seiten gibt es stichhaltige Anhaltspunkte.

Es ist tatsächlich eine Mischung. Ich brauche auf jeden Fall immer meine Freiheiten und muss der verbreiteten Verbissenheit eine gewisse Lockerheit auf dem Platz entgegensetzen. Das macht mein Spiel aus. Aber ohne Kampfbereitschaft geht es nun mal auch nicht. Ich versuche mich also an einem Spagat zwischen Ehrgeiz, Druck, Freiheit, Leichtigkeit und Kreativität.

Der Verantwortung gewachsen: Laura  Freigangs Treffsicherheit ist ein Grund für den Erfolg der Eintracht.
Der Verantwortung gewachsen: Laura Freigangs Treffsicherheit ist ein Grund für den Erfolg der Eintracht.dpa
Wenn von Eintracht Frankfurt die Rede ist, werden zumeist Sie als Kopf des Teams präsentiert. Stehen Sie gerne in der Öffentlichkeit?

Es hat sich so entwickelt. Was mir auf jeden Fall Spaß macht, ist das Nutzen der öffentlichen Kanäle, weil ich gerne kreative Sachen unternehme. Das sehe ich als Privileg an. Und es ist immer schön, wenn es Menschen gibt, die sich für einen interessieren. Als öffentliche Person wahrgenommen zu werden ist aber schon auch irgendwie eine komische Situation. Mich kennen Leute oder sie denken, dass sie mich kennen, denen ich noch nie begegnet bin. Zudem sind viele Sachen, ob ich will oder nicht, über mich allgemein bekannt. Das ist nicht immer einfach. Es gibt eine öffentliche Person Laura Freigang, und dann gibt es mich, so wie ich mich sehe. Mit diesem Fakt muss ich mich immer wieder auseinandersetzen.

Sie halten Ihr Privatleben nahezu komplett vor der Öffentlichkeit verschlossen. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Alles, was ich in der Öffentlichkeit teile, ist sehr bewusst. Ich versuche, authentisch zu sein, aber möchte auch nicht alles aus meinem Leben preisgeben. Es ist nicht so, dass ich bewusst irgendwas aus den sozialen Medien raushalte, aber ich möchte auch nicht alles ausbreiten. Das wäre nicht gesund. Ich mache es meistens nach Gefühl: Wenn es sich gut anfühlt, teile ich es, und wenn es sich nicht gut anfühlt, lasse ich es eben.

Alexandra Popp hat im Zuge ihres Rücktritts aus dem Nationalteam unlängst gesagt, dass es ihr zwischenzeitlich zu viel wurde, so oft im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Sie beklagte einen Verlust an Privatheit. Kennen Sie das Gefühl?

Ich will nicht zu tiefgründig werden, aber ich glaube, grundsätzlich im Leben ist alles eine Frage der Balance, und die muss man immer wieder herstellen. Man kommt nicht an einen Punkt und sagt: Jetzt ruhe ich in mir, und das wird fortwährend so sein. Wenn man merkt, dass man wieder für eine Balance sorgen sollte, ist man gerade aus dem Gleichgewicht geraten. Es gab auch bei mir schon Augenblicke, in denen der sportliche Teil meines Tuns und die Aufmerksamkeit darüber außer Balance geraten sind. Dann habe ich aber mit Unterstützung von Eintracht Frankfurt und meiner Beraterin meine öffentlichen Auftritte abseits der Spiele zurückgefahren, um runterzufahren und mich bewusst auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Ich checke immer den Ist-Zustand, ob alles passt, damit ich die Weichen geradestellen kann. Manchmal weisen mich auch Menschen aus meinem Umfeld darauf hin. Deswegen ist es wichtig, dass man ein System von Leuten um sich herum hat, die einen gut kennen, Situationen einschätzen können und einem ein ehrliches Feedback geben.

Sie haben jetzt schon mehr Tore geschossen als in den vergangenen beiden Spielzeiten. Was ist in dieser Saison anders?

Ganz fußballklassisch formuliert: Der Knoten ist geplatzt, direkt zu Beginn des Jahres. Wir spielen mit der Eintracht sehr guten Fußball. Es passt vieles zusammen, nicht nur offensiv stimmen die Abläufe. Als Mannschaft erzielen wir viele Treffer. Außerdem habe ich mit den Trainern weiter an meinem Spiel gefeilt und bin so bei der Umsetzung von Chancen einen Schritt weitergekommen. In meiner Wahrnehmung bin ich in meiner Karriere bis heute jedes Jahr besser geworden. Nun lässt sich das auch in Zahlen deutlich ablesen.

An welchen Punkten haben Sie konkret Ihr Spiel nachjustiert?

Vor allem taktisch-spezifisch: Wo halte ich mich auf dem Feld auf, worauf kommt es bei meinen Laufwegen an? Wie ist meine Positionierung im 16er? Wie nutze ich meine Kräfte gezielter: Wann lasse ich mich lieber einen Schritt zurückfallen, wann ist es angebracht, mehr Gas zu geben? Solche Dinge sind mühselige Feinarbeit, aber sie bringt etwas.

Sie wirken im Spiel selbstbewusst. Woher rührt das Vertrauen: Gibt es Mittel und Wege, es zu generieren – oder ist es bei Ihnen ohnehin im Überfluss vorhanden?

Ich würde von mir gar nicht behaupten, dass ich von Haus aus mutig bin. Den größten Kampf, den ich bis jetzt im Fußball geführt habe, war eigentlich immer der gegen mich selbst und auch gegen meine eigenen Ängste. Ich habe schon bei einigen Gelegenheiten offen darüber gesprochen, dass ich mit einem Sportpsychologen zusammenarbeite, weil mir bewusst ist, wie wichtig die mentale Gesundheit ist. Was mir hilft und mich glücklich macht, ist die Tatsache, dass ich im übergeordneten Sinne einen Ort gefunden habe, an dem ich mich rundum wohl fühle. Ich spiele nicht für mich, sondern für die Sache. Ich spiele für Eintracht Frankfurt und für unser Team, das ist mir eine Herzensangelegenheit. Das ist keine künstlich hergestellte Situation, sondern durch und durch echt. Und dann ist es viel leichter, zu kämpfen und wirklich da zu sein. Der zweite Grund ist, dass ich mittlerweile einfach Spaß am Fußball haben will. Wenn man Leistungssportlerin ist und sich in den Jugendnationalmannschaften behaupten muss, setzt man sich unter Druck. Ich habe früher viel Schönes erlebt, aber auch viel gelitten unter meiner eigenen Erwartungshaltung. Mir ist jetzt klar, wie wichtig es ist, die Zeit zu genießen, denn sie bleibt nicht für immer. Und dadurch, dass ich diese Mannschaft gefunden habe, für die ich so brenne, und den Fußball einfach liebe, kommt meine Motivation immer wieder von ganz allein.

Das Ausscheiden aus der Champions League hat Sie gefrustet, aber nicht nachhaltig aus dem Konzept gebracht. Was sollte sich nicht wiederholen, damit sich ein Jahr Arbeit beim nächsten Mal auszahlt?

Nach so einem Erlebnis könnten zwei Dinge passieren: Entweder man entwickelt Frust, der einen demotiviert – oder eine Jetzt-erst-recht-Mentalität. Wir haben eine gute Reaktion gezeigt und es geschafft, uns wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Diese Saison wollen wir gar nicht mehr in so eine Situation kommen. Am liebsten würden wir nach dem letzten Spieltag klargemacht haben, dass wir die Champions-League-Gruppenphase spielen. Ich denke gar nicht mehr an Qualifikationsturniere oder -runden, sondern möchte unsere beste Bundesliga-Saison spielen. Wir gehören in die Gruppenphase, und es liegt an uns, das auch zu zeigen. Die Möglichkeit haben wir schon jetzt – und nicht erst zu Beginn der nächsten Saison.

Die EM kann kommen: Unter dem neuen Bundestrainer Christian Wück ist Laura Freigangs Spielertyp in der Offensive des Nationalteams mehr gefragt.
Die EM kann kommen: Unter dem neuen Bundestrainer Christian Wück ist Laura Freigangs Spielertyp in der Offensive des Nationalteams mehr gefragt.dpa
Eintracht Frankfurt wartet mit seinen Fußballteams seit 1959 auf einen Titel als deutscher Meister. Können die Frauen das ersehnte Ziel erreichen?

Wenn man als Herbstmeister in die Winterpause geht, darf man auf jeden Fall darüber sprechen, dass der Meistertitel eine Möglichkeit ist. In den vergangenen Jahren hatten wir aber immer auch Phasen, in denen uns ebenfalls gute Chancen ausgerechnet wurden, und wir es nicht geschafft haben, unsere Leistungen über eine Saison aufrechtzuerhalten. Bevor ich anfange, über den Meistertitel zu sprechen, müssen wir erst den nächsten Reifeschritt machen. Innerhalb der Mannschaft sprechen wir nicht viel darüber. Das ist gut, weil wir wissen, dass wir uns schon zu oft selbst um die Möglichkeit gebracht haben. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Ich weiß, das ist eine Floskel, aber anders ist es nicht möglich. So ist es viel einfacher, die Energie oben zu halten, als wenn man sich auf ein Ziel am Ende der Saison konzentriert. Wenn wir aber weiterhin so eine konstante Saison spielen, werden wir auch um den Titel mitspielen können.

Ist dieses Vertrauen in die eigene Entwicklung eine Besonderheit des Frankfurter Standorts?

Das ist es, was ich an Frankfurt und auch generell am Frauenfußball am meisten schätze. Trotzdem sieht man auch hier mittlerweile eine größere Wechseldynamik. Da sind wir als Eintracht Frankfurt wie eine kleine Insel im Frauenfußball, und dafür bin ich sehr dankbar. Das ist auch einer der Gründe, warum ich meinen Vertrag immer wieder verlängert habe. Ich brauche eine familiäre Atmosphäre. Das leben wir in Frankfurt sehr viel stärker als vielleicht an anderen Standorten.

Sie haben sich 069 als Statement auf die Haut tätowieren lassen, unlängst bis Mitte 2027 Ihren Vertrag bei der Eintracht verlängert. Bedeutet das: Einmal Frankfurt, immer Frankfurt?

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine so vereinstreue Spielerin sein würde. Ich habe mich immer als Weltenbummlerin gesehen, die gerne viel erlebt. Ich hatte letztens eine sehr interessante Unterhaltung darüber, dass man als Mensch immer einen neuen Reiz im Leben braucht. Indem ich aber abseits des Fußballs so viele Möglichkeiten habe, mich auszuleben, brauche ich die Stadt, den Verein und den Fußball, den wir spielen, als Konstante in meinem Leben.

Vor Ihrem Wechsel nach Frankfurt haben Sie zwei Jahre in den USA studiert und für die Pennsylvania State University gespielt. Inwiefern hat Ihnen diese Zeit beim Sprung in den Profifußball geholfen?

Sie hat mir die Leidenschaft zum Fußball zurückgegeben, die war mir in der Zweiten Bundesliga und der Jugend-Nationalmannschaft zwischenzeitlich abhandengekommen. Es hat nicht mehr so viel Spaß gemacht. Die USA waren sehr aufregend, und ich bin in der Zeit auch als Mensch gewachsen, weil ich mich auf einmal um mich selbst kümmern musste. Das war für meine grundsätzliche Entwicklung sehr wichtig. Ich bin nach Deutschland zurückgekommen, weil ich den Entschluss gefasst hatte, es in den Profifußball und in die A-Nationalmannschaft schaffen zu wollen. Dafür habe ich den Schritt nach Frankfurt gebraucht – und im Nachhinein ist ja auch alles aufgegangen.

Wie haben Sie die Bedingungen für Mädchen- und Frauenfußball in den USA im Vergleich zu Deutschland erlebt?

Einer der Gründe, warum ich gegangen bin, war, dass ich die Wertschätzung nicht mehr gespürt habe. Ich hatte sehr viel Frust aufgebaut und war dann sehr überrascht, als ich in die USA kam. Frauenfußball hat dort einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Mein erstes Spiel am College habe ich vor 5000 Zuschauern gemacht. In den USA gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, dass genauso viel in den Frauen- wie in den Männersport investiert werden muss. Die Bedingungen, die wir dort hatten, haben in Deutschland nicht einmal Bundesliga-Mannschaften. Es hat schon Spaß gemacht, in den USA Fußball zu spielen.

Seitdem Christian Wück im Spätsommer die Verantwortung übernommen hat, gab es zwei berauschende Siege, aber auch zwei empfindliche Niederlagen. Wie bewerten Sie den Ist-Zustand der Nationalelf?

Ich habe den ersten Lehrgang wegen einer Erkrankung leider nicht mitbekommen, habe aber die Spiele gesehen und war positiv überrascht von dem, was wir in der Kürze der Zeit geschafft haben. Gegen die Schweiz (6:0, d. Red.) und Italien (1:2) war ich dann dabei. Mir gefällt die Idee, wie er spielen lassen will: Wir wollen mit dem Ball bejahend auftreten, das hat man auch in den Spielen erkannt, die wir verloren haben. Es ist auch eine Frage von Reife, und da findet sich gerade eine Mannschaft. Unabhängig vom Ergebnis waren es sehr dominante Auftritte. Das ist etwas, was uns zuvor mitunter gefehlt hat. Nun ist mehr Mut spürbar. Früher waren immer wieder Spiele dabei, in denen wir zu ängstlich agiert oder uns nur auf unseren Kampfgeist verlassen haben. Das ist nun anders. Es waren aber erst vier Testspiele. Unser Ziel muss es sein, ein Team zu finden, das einen gewissen Stamm an Spielerinnen hat, um den herum alles aufgebaut wird. Wir stehen noch am Anfang, das gilt für uns alle. Ich bin mir aber sicher, dass sich noch viel entwickeln wird.

Können Sie beschreiben, warum Sie in der jüngeren Vergangenheit im DFB-Team einen schweren Stand hatten?

Das ist für mich schwer zu beurteilen. Gelernt habe ich: Der Sport ist nicht fair, aber auch nicht unfair. Trainerinnen und Trainer sind Menschen, und die haben Meinungen. Und sie werden dafür bezahlt, dass sie Entscheidungen treffen. Ich habe für mich einen Frieden damit geschlossen, was gewesen ist. Ich bin natürlich trotzdem sehr ehrgeizig und möchte immer mehr. Das System, das wir früher gespielt haben, hat mir nicht unbedingt in die Karten gespielt. Der Spielerinnentyp, den man sich da im Sturm oder im offensiven Mittelfeld gewünscht hat, war nicht der, den ich darstelle. Das war für mich nicht immer leicht zu akzeptieren, aber ich habe es hinbekommen. Jetzt bin ich gespannt, was die Zukunft bringt. Wir haben eine andere Mannschaft, einen neuen Trainer, andere Dynamiken und möchten auf eine neue Art Fußball spielen. Das ist spannend. Die ersten Länderspiele unter Christian Wück haben mir viel Freude bereitet. Mal schauen, wie es weitergeht.

Welche Rolle spielt es für Sie, dass Wücks System eine Zehnerposition vorsieht?

Für mich auf jeden Fall eine große, weil ich dadurch das Gefühl erhalte, dass ich meine Stärken besser einbringen kann. Vorher habe ich öfter versucht, mir einen Schuh anzuziehen, der nicht richtig gepasst hat. Jetzt ist mein Spielerinnentyp eher gefragt.

Wück hat klar formuliert, dass er mehr Torgefahr und Treffer von Ihnen erwartet. Bedeutet das Lust oder Last für Sie?

Definitiv mehr Lust. Wenn man mich als offensive Mittelfeldspielerin sieht und nicht als klassische Stürmerin, die ich auch nicht bin, dann gehört es zu meinen Qualitäten, dass ich auch aus einer hängenden Position torgefährlich werden kann. Auch bei Eintracht Frankfurt habe ich zwei Stürmerinnen vor mir, und trotzdem sieht man auch in dieser Saison, was ich für eine Torgefahr ausstrahlen kann. Gerade dieses Schwimmen zwischen den Ketten, dass ich für die gegnerische Abwehr nicht so richtig einzuordnen bin und viele Räume habe, in denen ich mich bewegen kann, kommt mir entgegen. So kann ich meine Stärken ausspielen. Und wenn sich Christian Wück genau das von mir wünscht, dann freue ich mich. Dann darf ich machen, was ich am liebsten mache. Wenn Dinge von einem gewünscht werden, heißt das ja, dass jemand etwas in einem sieht. Mich motiviert die ganze Konstellation also sehr.

Christian Wück hat nach der Nominierung gesagt, dass er nur Spielerinnen berücksichtigen möchte, die davon überzeugt sind, Europameister werden zu können. Halten Sie es für realistisch, als Titelgewinner aus der Schweiz zurückzukommen?

Ich habe die EM in England miterlebt, als wir aus einer schwierigen Situation kamen und eigentlich niemand mit uns gerechnet hat. Wir selbst auch nicht, um ehrlich zu sein. Trotzdem ist etwas Großes dabei herumgekommen, und das hat ein gewisses Grundvertrauen in mir geweckt. Ich sehe viel Potential in der Mannschaft. Viele Dinge sind noch roh und müssen erst geschliffen werden, aber es sind alle Grundlagen gegeben, um erfolgreich zu sein. Es muss viel zusammenkommen, damit man den EM-Titel gewinnt. Das wissen wir, aber wir haben alles, was wir brauchen, und jetzt liegt es an uns, was wir daraus machen.