Sandwürmer auf dem Wüstenplaneten Arrakis: In der fiktiven »Dune«-Welt zu leben, erscheint wenig erstrebenswert
Foto: Warner Bros. Pictures / APScience-Fiction-Film »Dune 2« Wüstenplanet Arrakis wäre bewohnbar
Wüste, überall Wüste. Kein Regen, der vom Himmel fällt, dafür extreme Temperaturen und Trockenheit. Wer auf Arrakis lebt, findet größere Wasserreservoirs bloß noch im Untergrund. Der Planet ist fiktiv, er liegt in einem fernen Sternensystem, erdacht und mit Leben gefüllt von dem amerikanischen Science-Fiction-Autor Frank Herbert in den Sechzigerjahren. Doch so unwirtlich die Bedingungen auf Arrakis auch sind: Herbert hat nicht nur eine beeindruckende Fantasiewelt erschaffen, sondern einen plausiblen Planeten. Ein paar Probleme gibt es dann aber doch.
So lautet zumindest der Befund von Alexander Farnsworth . Üblicherweise berechnet er an der University of Bristol in England das Erdklima der Vergangenheit und Zukunft. In seiner Freizeit hat er sich zwischenzeitlich jedoch dem Himmelskörper der »Dune«-Saga gewidmet. »Die Frage nach den dortigen Überlebenschancen beschäftigt mich, seit ich Herberts Romane das erste Mal gelesen habe«, sagt er. »Als Klimaforscher haben meine Kollegen und ich Jahrzehnte später selbst die Antwort gefunden.«
Erstmals hatten Farnsworth und Kollegen die ferne Welt im Jahr 2021 simuliert. Damals war mit Denis Villeneuves »Dune« eine neue Filmfassung in die Kinos gekommen und das Team zu dem Schluss, dass Menschen tatsächlich auf dem Wüstenplaneten leben könnten. Mit Mühe, Einfallsreichtum und neuer Technologie. Nun läuft »Dune: Part Two« in den Kinos und Farnsworth beschäftigt einmal mehr die Frage, was es braucht, um auf der »zwar bewohnbaren, aber nicht sonderlich lebensfreundlichen« Welt klarzukommen.
Auf Arrakis gelten die bekannten Gesetze der Physik
Untersucht hat das Team den Planeten mit einem Modell, das Forschende üblicherweise nutzen, um das Wetter und Klima auf der Erde vorherzusagen. »Wir haben uns entschieden, dieselben grundlegenden physikalischen Gesetze beizubehalten, die auf der Erde gelten, weil Herberts Menschen dort auch mal gelebt haben und er sich für Arrakis von Dünenlandschaften unseres Planeten inspirieren ließ«, erklärt Farnsworth. Anschließend hinterlegte das Team Informationen aus den Büchern sowie der Dune-Enzyklopädie in dem Programm, etwa zu Arrakis’ Topografie und Atmosphäre sowie seiner Bahn im Weltraum und dem Stern, um den der Wüstenplanet kreist.
Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher: Herbert hat eine Welt erdacht, die im Großen und Ganzen realistisch ist. Das sei »mind-blowing«, sagt der Klimaforscher, erst recht wenn man bedenke, dass Herberts erstes Buch bereits 1965 herauskam und der Autor der ersten Supercomputer-Klimamodellierung damit um Jahre voraus war. Der erste Planet, der einen Stern ähnlich unserer Sonne umkreist, auch Exoplanet genannt, wurde erst 1995 entdeckt.
Laut Herbert dreht sich Arrakis um den Stern Kanopus, auch Alpha Carinae genannt. Diesen gibt es tatsächlich, Planeten drumherum aber hat niemand gesichtet. Weil Kanopus deutlich größer, massereicher und heißer als unsere Sonne ist, wäre Arrakis nur bewohnbar, wenn er genug Abstand zu dem Stern hätte. »Wäre Dune real, müsste er etwa so weit von Kanopus entfernt liegen wie Pluto von der Sonne. Dann passt es wieder«, sagt Farnsworth.
Unwirtliche Polregionen
Es gibt allerdings auch Aspekte, bei denen Fiktion und simulierte Realität bedeutend voneinander abweichen. Die von Herbert erdachten Temperaturszenarien etwa bereiten Probleme, ebenso der Städtebau, die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Wasserversorgung.
Die Arrakis-Klimasimulation deutet an: In höheren Breitengraden wäre es auf dem Planeten aufgrund der Bewölkung und anderer Faktoren im Sommer unerträglich heiß, im Winter arg kalt. In den tropischen Breitengraden wäre es etwas angenehmer, aber starke Winde würden für riesige Sanddünen sorgen. Interaktiv erkunden lässt sich das auf climatearchive.org/dune.
Laut dem Klimamodell würde es in höheren Breitengraden auf Arrakis aufgrund der Bewölkung und anderer Faktoren im Sommer unerträglich heiß werden, im Winter wiederum lägen die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Nicht, dass unsere Erde keinerlei Extreme zu bieten hat: In den Wüsten Lut in Iran und Sonora im Norden Mexikos etwa wurden rund 81 Grad Celsius gemessen, das kommt den 90 Grad auf Arrakis sehr nah. Der kälteste Ort der Erde wiederum liegt mit rund minus 111 Grad Celsius in der Antarktis, Arrakis hat minus 120 Grad zu bieten. »Doch während diese extremen Temperaturen auf der Erde an unterschiedlichen Orten auftreten, gibt es auf Arrakis Temperaturschwankungen von fast 200 Grad in denselben Teilen der Welt«, erklärt Farnsworth. Zwar haben Forschende auf der Erde in der chinesischen Qaidam-Senke innerhalb eines Tages einen Wandel von minus 23,7 Grad auf plus 58,1 Grad festgestellt – bemerkenswert, aber doch weit vom Dune-Niveau entfernt.