Ach ja, die viel beschriebenen Generation Z. Was ist nur los mit diesen jungen Menschen, sobald sie arbeiten müssen? US-Schauspielerin Jodie Foster findet sie nervig, andere sagen, ihnen fehle der Biss. Die Bild-Zeitung nennt sie "Generation Jammerlappen". Und TikTok-Videos, in denen sich junge Berufsanfänger über ihren stressigen Arbeitsalltag ausweinen, liefern scheinbar den Beweis, dass das Klischee stimmt.
Wenn man liest und sieht, was Junge im Job fordern, könnte man als älterer Berufstätiger denken, dass die spinnen. Immerhin gibt es doch Slack, Homeoffice, Gleitzeit und in vielen Firmen Zuschläge zu Sportkursen, Mittagessen oder dem Bahnticket.
Aber es ist falsch, sich über die Ansprüche der Jungen zu ärgern, denn sie sind richtig und machen die Arbeitswelt für alle besser. Es gibt noch immer zu viele Probleme, insbesondere in Berufen, in denen man nicht auch mal von zu Hause aus arbeiten kann. Es ist gut, dass junge Arbeitnehmende ihre Vorgesetzten nerven. Denn sie finden Arbeitsbedingungen vor, die viele ältere Menschen nie kennengelernt haben. Schuld daran ist in vielen Branchen der eklatante Fachkräftemangel.
Schon jetzt fehlt überall
Personal, rund zwei Millionen Arbeitsplätze sind in Deutschland nicht
besetzt. Und es wird noch
schlimmer. Für alle aus der Gen Z, die in unterbesetzten Teams anfangen zu
arbeiten, heißt das: Überstunden machen, die nie ausgeglichen werden, eine
Schicht an die nächste hängen, die Aufgaben der nicht existenten Kollegen
übernehmen. Irgendwer muss es ja machen. Und wer nicht mitzieht, gilt als nicht
engagiert – insbesondere in Branchen, in den viel Personal fehlt,
in Kitas, Schulen, Krankenhäusern oder Handwerksbetrieben beispielsweise.
Kaum jemand kann mehrere Stellen füllen, ohne irgendwann auszubrennen
Eine aktuelle Befragung zeigt, dass 71 Prozent der Arbeitnehmer durch den Fachkräftemangel Tätigkeiten übernehmen, die nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben gehören. 55 Prozent fühlen sich dadurch regelmäßig gestresst. Daran wird sich so schnell nichts ändern. In 61 Prozent der Unternehmen mit zu wenig Mitarbeitenden muss die bestehende Belegschaft die Mehrbelastung kurzfristig tragen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer ergeben.
Das kann nicht lange gut gehen. Denn bald werden diejenigen, die zusätzlich die Arbeit anderer übernehmen, erschöpft sein und ebenfalls ausfallen. Das gilt besonders für die jungen Generationen wie Z und Alpha, die sich früher gegen Überlastung wehren und darauf achten, genügend Freizeit zu haben. Vieles muss sich ändern, und zwar schnell. Junge Arbeitnehmer fordern zu Recht, dass Überstunden genau erfasst oder gar nicht erst verlangt werden. Oder dass Führungskräfte ihnen nach Dienstschluss keine Nachrichten mehr senden dürfen.
Damit keine Missverständnisse entstehen: Es geht hier nicht nur um hoch bezahlte Schreibtisch-Jobs. Jeder und jede weiß, was in der eigenen Branche schiefläuft. Polizistinnen verlieren Zeit, weil sie bei jedem leichten Auffahrunfall anrücken müssen. Notfallsanitäter kümmern sich um harmlose Verletzungen. Handwerker arbeiten auf Baustellen, auf denen sie herabgewürdigt werden. Ärztinnen schreiben handschriftlich lange Berichte. Beamte dürfen viele Informationen gar nicht digital teilen.
Weg mit den unnötigen Aufgaben
Chefs und Chefinnen müssen sich
fragen: Was kann man ändern, damit die Ziele auch mit weniger Mitarbeitenden geschafft werden können? Führungskräfte müssen klare Entscheidungen treffen. Aufgaben, die nicht unbedingt nötig
sind, sollten sie streichen, automatisieren oder von einer künstlichen
Intelligenz erledigen lassen. Sie sollten klar kommunizieren und
Zuständigkeiten fair verteilen. Was genau dafür nötig ist, hängt von den Bedingungen in der
Branche ab.
Natürlich ist nicht nur die Gen
Z von den Folgen des Fachkräftemangels betroffen, auch alle älteren
Mitarbeitenden sind es. Deswegen sollten die älteren die jungen Kolleginnen und Kollegen in ihren Forderungen unterstützen,
anstatt sie zu belächeln. Es profitieren alle, wenn sich etwas ändert. Und das
Argument der Älteren "Wir mussten da auch durch" ist kein gutes. Einen
Fachkräftemangel wie aktuell haben sie bislang nicht erlebt. Jüngere und ältere Menschen sollten die Lösung dafür gemeinsam finden.
39 Kommentare
Boioioing
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Endlich mal eine vernünftige Perspektive zu dem Thema. Ich versehe diesen dämlichen Fetisch der älteren Leute nicht der nächsten Generation Mühe und Not zu wünschen, weil man selbst angeblich dort durch musste.
Fakt ist, die jungen Leute haben es sehr viel schwerer an Eigentum zu kommen und die Lebenskosten sind unvergleichbar höher zu der Generation, die stets sagt, man müsse einfach nur viel und hart arbeiten.
Große Teile unserer Gesellschaft bauen heute auf menschlicher Abnutzung auf und die Firmen streichen sich Rekordgewinne ein.
Endlich kommt mal eine Generation heran die das Schauspiel erkennt und sich nicht derart auspressen lässt.
Bravo.
Wilbusch
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Ich war zu Beginn meiner "Arbeitsphase" auch rebellischer als heute. Später kam halt der Druck der Verantwortung gegenüber der Familie hinzu, dass mich erheblich drosselte. Wenn man dann irgendwann feststellt, dass die meisten "Führungskräfte" oft weder Können, Wissen noch Rückrad haben, wird man oft wieder selbstbewusster...
user271828
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Ich muss sagen, mich demotiviert diese Thematik zunehmen. Und nicht nur mich, sondern auch viele die auf einem vergleichbaren Stuhl sitzen wie ich.
Wir sitzen zwischen Produktion (Maschine gibt den Takt vor) und Verwaltung/Einkauf wo heute die Freizeit den Takt vorgibt. Diese Desynchronisation der Arbeitswelt erzeugt (je mehr es werden) einen immer größeren Stress, weil die Koordintation oft nur noch schwer möglich ist. Zumal immer mehr Absprachen notwendig werden, weil entweder Mails nicht richtig gelesen werden oder das fachliche KnowHow zu wünschen übrig lässt.
Ergebnis: Wir weden alle härter und reduzieren unseren Service. Den bekommen nur noch die, die richtig mitwirken. Sonderabsprachen? Auftragsänderungen? Adressänderungen? "Tut mir leid, das ist nicht möglich", fertig. Keine Diskussion mehr.
Es ist nämlich so massiv frustrierend, wenn man den halben Vormittag durch halb Europa telefoniert um den Termin eines Kunden zu retten, um dann Do. 13.00 Uhr ein Auto-Reply zu bekommen: "ich bin ab nächstem Mittwoch wieder erreichbar". Job geplatz, umsonst gearbeitet ... und Mittwoch um 9.05 Uhr klingelt dann auch noch das Telefon und man bekommt Vorwürfe, weil es jetzt nicht mehr klappt.
Sorry ... schleich dich!
Sarah_8303
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Ich finde schon dieses Einteilen in irgendwelche Generationen nervig. Es gibt Menschen, die finden einfach auch in ihrer Arbeit Erfüllung und andere wollen nur Freizeit und dafür bezahlt werden. Wohin die Welt so oder so steuert können wir ja jeden Tag beobachten. Es braucht immer welche die Macher sind. Nur mit Leuten die fordern und sich selbst über alles stellen geht es nicht.
ralfralf
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Wann hat's eigentlich 'plöpp' gemacht und dann waren die jungen Leute nicht mehr Gen Y, sondern Gen Z?
SanfterRiese
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Wenn ich mir die Situation junger Leute heutzutage so ansehe:
A. Steuern, Abgaben und sonstige Kosten wie Miete sind viel zu hoch in Relation zum Einkommen.
B. Die Sozialversicherungen sind kurz vor der Implosion, insbesondere die Rentenversicherung ist reine Geldverbrennung, da aufgrund des Umlageverfahrens kein Vermögen gebildet wird, dass ordentliche Renditen bringt. Die jungen Leute müssen uns alten die Rente bezahlen und bekommen dafür Nix. Ganz nebenbei müssen sie bis Minimum 70 arbeiten.
C. Sie müssen die staatliche Infrastruktur weitgehend komplett neu aufbauen, müssen irgendwie in der Lage sein, Deutschland verteidigungsbereit zu machen, eine Energiewende hinzubekommen ohne eine Staatspleite hinzulegen. Außerdem gibt’s noch ein Problem mit Bildung generell und ein kaum zu regelndes Migrationsproblem.
Dazu kommt: Die Politik richtet ihre Politik nach den Bedürfnissen der Alten aus, denn es gibt mehr Alte als Junge. Deswegen kann ich es sehr gut verstehen, dass die jungen Leute einfach nur dafür sorgen, dass es ihnen gut geht und sich nicht mehr so vereimern lassen wie die Generation vor ihnen. Die Arbeit ist fürs Leben da und nicht umgekehrt.
Hannah F
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„Diese komplette Generation…“ halte ich für sehr pauschalisierend und anmaßend. Genauso finde ich es problematisch, dass der Begriff „Boomer“ so inflationär und häufig negativ behaftet verwendet wird.
Ich gehöre selbst zu der sogenannten Gen Z und ruhe mich mit Sicherheit auf gar nichts aus. Zumal es in diesem Kommentar/ Artikel insbesondere um die Arbeitsbedingungen geht. Der gesamte Betrieb meines Bruders muss in den nächsten Monaten am Tag 1,5h mehr arbeiten, weil der Chef zu viele Aufträge angenommen hat und die Zeit ansonsten nicht ausreichend ist. Warum soll das in Ordnung sein? Gesell:innen mit Kindern (insbesondere kleinen Kindern) sehen diese jetzt kaum noch. Neben der fehlenden Zeit fehlt nach einem 10,5 Stunden Arbeitstag auch die Energie für Freizeitbeschäftigungen. Anderes Beispiel: warum soll ein Freund länger auf einem Schiff bleiben, weil die Reederei in einem Krankheitsfall (1 Monat vor geplanter Ablöse bekannt) keine Ambitionen zeigt, Ersatz zu finden?
Es ist nicht alles Gejammer, es ist viel auch begründet und das von fleißigen, zielstrebigen und ehrgeizigen Menschen aus der von Ihnen zu verachteten Gen Z!
Ockhams Rasiermesser
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Alle die sich jetzt über die Jungen aufregen sollten sich folgendes klar machen. Die Jungen sind von ihren Eltern und der bestehenden Gesellschaft geprägt worden, genauer gesagt von den Generationen zuvor.
Wenn man sich also über die Jungen aufregt, dann erstmal an die eigene Nase fassen.