Grünenspitzenkandidat Robert Habeck will nach eigenen Angaben keine führende Rolle bei der Neuaufstellung der Grünen übernehmen. Er zeigte sich enttäuscht über das Wahlergebnis. "Dieses Ergebnis entspricht nicht meinen Erwartungen. Ich wollte mehr, wir wollten mehr", sagte Habeck bei einer Pressekonferenz in Berlin. Laut vorläufigem Wahlergebnis kommen die Grünen im neuen Bundestag auf 11,6 Prozent der Stimmen.     

Habeck sprach von einem großartigen Wahlkampf. "Für mich war das der Wahlkampf, den ich führen wollte. Das war das politische Angebot, das ich unterbreiten wollte." Er sei "sehr zufrieden und sehr eins mit dem, was passiert ist." Er erhalte jetzt viele Nachrichten, die "aufbauend" gemeint seien, sagte er. Ihn tröste das aber nicht. "Es wäre womöglich mehr möglich gewesen."         

Baerbock sagt enge Zusammenarbeit mit künftiger Regierung zu

Für die Grünen folge aus dem Ergebnis dreierlei: Erstens sei dies eine Neuaufstellung der Partei. Zweitens sei für Mittwoch die Wahl des geschäftsführenden Fraktionsvorstands angesetzt. Alle weiteren Entscheidungen würden in den Gremien getroffen. Drittens sagte Habeck: "Ich werde keine führende Rolle in den Personaltableaus der Grünen mehr anstreben." Die Frage, ob er sein Bundestagsmandat annehmen werde, beantwortete Habeck nicht. Auch dies werde in den Gremien entscheiden.

Außenministerin Annalena Baerbock, die bei der vorangegangenen Bundestagswahl als Kanzlerkandidatin der Grünen kandidiert hatte, wich auf der Pressekonferenz der Frage nach ihrer Zukunft in der Partei ebenfalls aus. Auf die Frage, ob sie den Fraktionsvorsitz anstrebe, verwies sie auf den Termin am Mittwoch.      

"Als Partei gehen wir gestärkt aus diesem Wahlkampf", sagte Baerbock. Sie kündigte eine enge Zusammenarbeit mit der künftigen Bundesregierung im "Schwebezustand" der kommenden Wochen an. "Die internationalen Ereignisse werden keinen Halt machen", sagte Baerbock. "Wir werden in Rücksprache mit der Bundesregierung deutlich machen, dass die demokratischen Parteien in Deutschland geschlossen für den Frieden eintreten." Wer sich nun aber "von außen oder innen Hoffnung" darauf mache, dass die deutsche Unterstützung der Ukraine nachlassen werde, müsse wissen: "An der Unterstützung wird sich von deutscher Seite nichts ändern." Baerbock hatte zuvor an den dritten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine erinnert, der mit dem Tag nach der Bundestagswahl zusammenfällt.

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