In der Debatte um eine Entlastung deutscher Unternehmen hat Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) eine Abschaffung des Solidaritätszuschlags vorgeschlagen. Er sei sich mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) darin einig, dass das System erneuert werden müsse, sagte er in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Er schlage daher vor, "dass wir ein Dynamisierungspaket erarbeiten, das Arbeitsmarkt, Klimaschutz, Energiepreise, Bürokratie und Steuern umfasst." Er betonte: "Wenn wir wirklich etwas an den Steuersätzen tun wollen", dann sei "der einfachste und schnellste Weg, den Solidaritätszuschlag abzuschaffen."
Den Solidaritätszuschlag zahlten "unsere Betriebe im internationalen Wettbewerb immer noch", sagte Lindner. Seine Abschaffung habe zudem den Vorteil, dass Länder und Gemeinden durch diese Entlastung der Betriebe "nicht ebenfalls in Anspruch genommen" würden, sondern "nur der Bund". Über die Gegenfinanzierung müsse allerdings innerhalb der Bundesregierung gesprochen werden.
Habeck
hatte zuvor der Welt am Sonntag gesagt, auch er "sehe, dass wir in
der Summe eine Unternehmensbesteuerung haben, die international nicht
mehr wettbewerbsfähig und investitionsfreundlich genug ist". Er fügte hinzu: "Genau
deshalb sollten wir überlegen, wie wir zum Beispiel
Steuererleichterungen, Steueranreize für Investitionen in der
Perspektive finanzieren, um die Kräfte wirklich zu entfesseln."
Grundsätzlich müsse gehandelt werden, betonte Lindner. "Wenn der Wirtschaftsminister und der Finanzminister beide der Meinung sind, es muss sich an der Wirtschaftspolitik dieses Landes etwas ändern, dann kann das nicht ohne Folgen bleiben", sagte er. Es müsse konkrete Konsequenzen für die Bundesregierung und die Koalition haben. "Wenn wir nichts tun, wird Deutschland ärmer, weil das Wachstum ausbleibt. Und damit kann sich ja niemand zufriedengeben."
470 Kommentare
Fakten bitte
Details
"Christian Lindner fordert Ende des Solidaritätszuschlags"
Mit den üblichen Folgen: Keinerlei positiver Effekt für die Wirtschaft, statt dessen noch mehr Vermögenswachstum für das bevorzugte Klientel, und das nächste Sondervermögen um die entstehenden Lücken zu schließen ist bereits in Sichtweite.
Xenon54
Details
Und erneut sehen wir die unterschiedlichen Ansätze von Grünen und FDP. Beide wollen Steuererleichterungen für Unternehmen, aber es gibt entscheidende Unterschiede.
Linder propagiert aber streng in neoliberaler Tradition einfach pauschal die Steuern zu senken, damit die Unternehmen, bzw. deren Eigentümer mehr Geld haben, das sie hoffentlich investieren, was wiederum der Wirtschaft hilft. Klassische Trickle-Dow-Theorie; Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt aber, das funktioniert nicht. Unternehmehr legen das Geld lieber auf die hohe Kante oder investieren es in dort wo es höhere Subventionen und Nachfrage gibt, wie in China.
Habecks Vorschlag dagegen orientiert sich eher an Bidens Steuerreform. Unternehmen bekommen Steuergutschriften, aber nicht einfach so, sondern nur wenn sie hierzulande investieren.
Südvorstadt
Details
Lindner fordert also wie immer Klientelpolitik für Reiche. Es wundert mich nur, dass diese klassische FDP-Forderung so spät kommt.
Schimmerlos
Details
Wenn die FDP die Abschaffung dieser völlig unzeitgemäßen und arbeitnehmerfeindlichen Zwangsabgabe durchsetzt, ist ihr bei der nächsten Wahl meine Stimme sicher!
Rigel42S
Details
Meiner Meinung nach besser wäre die Wiedereinführung des Soli für alle, da die Probleme und der Finanzbedarf für die "Klimawende" die deutsche Einheit in den Schatten stellen.
drouiz
Details
Ich finde es sehr deprimierend, wie sehr sich die Menschen in einer solchen klein-klein Diskussion gefangen nehmen lassen.
In Deutschland wird unglaublich viel Geld verdient.
Deutschland braucht eine bestimmte Menge an Geld.
Es ist eigentlich nicht so kompliziert. Man muss sich nur dafür entscheiden die steuern auch dort zu erheben, wo die Einkommen sind.
Warum zahle ich auf meine Kapitalerträge so viel weniger Steuern?
Warum werden nicht alle Einkommen in gleicher Art für Sozialabgaben herangezogen?
Wir könnten die Lohnnebenkosten auf einen Bruchteil senken, wenn wir alle Einkommen, aller Einkommensbezieher berücksichtigen würden.
Stattdessen erlauben wir einem kleinen Klientelpolitiker die Diskussion zu bestimmen.
Kein Einstein
Details
Ideen zur Gegenfinanzierung scheint Lindner nicht zu haben.
Goto Dengo
Details
34 Jahre nachdem der Soli eingeführt wurde, sollte es eigentlich reichen.
Schade bloß, dass Lindner den Vorschlag macht und nicht Habeck.
Man kann jetzt im Forum wieder auf die üblichen Kommentare warten…